Stadtgeschichte

Linkes Ufer an der Festung

Novi Sad beziehungsweise der Peterwardeiner Felsen, auf dem sich die Festung als Hauptsymbol der Stadt befindet, ist auf die mittlere Altsteinzeit zurückzuführen. In archäologischen Ausgrabungen wurden im oberen Bereich der Festung von Peterwardein Werkzeuge gefunden, die von Neandertalern im Zeitraum von 60 000 bis 35.000 v. Chr. genutzt wurden! Die ersten Ansässigen in diesem Gebiet gehörten den keltischen Stämmen an.

Dies macht Novi Sad zu einem Ort mit den ältesten archäologischen Funden in Serbien. Geschichtsforschungen weisen auch Spuren der Urgeschichte, Vinča-Kultur, Kupfersteinzeit, Metallzeit, wie auch der späteren und jüngeren Eisenzeit auf. Reste der Jungsteinzeit weisen darauf hin, dass es auf dem Peterwardeiener Felsen in Novi Sad auch 3000 Jahre vor Christi Spuren menschlichen Lebens gab!
Mit dem Eintreffen der Römer im ersten Jahrhundert n. Chr. in der damaligen römischen Provinz Pannonia, in der sich auch Peterwardein befand, entsteht die militärische Befestigung Kuzum.
Nach den Römern herrschten über Peterwardein die Goten, Gepiden, Langobarden, wie auch die Awaren- und Frankenvölker.
Die Vorfahren der Mehrheit der Einwohner des heutigen Novi Sad – die Slawen – kommen im 6. Jahrhundert nach Peterwardein. Das linke Ufer des heutigen Novi Sad, beziehungsweise das Gebiet um den Peterwardeiner Felsen, war als strategisch bedeutender Ort für zahlreiche Eroberer interessant. Im Laufe des 9. Jahrhunderts herrschen Bulgaren über Peterwardein, um es später an Byzanz zu verlieren, das es wiederum im 12. Jahrhundert an Ungarn verliert.
Als es von den Türken erobert wurde und sie mit seinem Ausbau begannen, bestanden in der heutigen touristischen Sehenswürdigkeit der Unterstadt, die unmittelbar nach der Brücke beginnt, rund zwei Hundert Häuser, religiöse Objekte, Geschäfte, eine Schule und alle anderen Elemente einer Kleinstadt der damaligen Zeit. Die Türken verlieren es im 17. Jahrhundert an dieösterreichisch-ungarische Monarchie, die durch die Eroberung von Peterwardein und ihr Verweilen auf diesem Gebiet bis zum Ersten Weltkrieg den größten Einfluss auf das heutige Bild und die Geschichte von Novi Sad hatte. Kaiserin Maria Theresia errichtete die Festung von Peterwardein, die heute identisch aussieht wie im Jahre 1780, als auch die letzten Arbeiten an diesem eindrucksvollen Kulturdenkmal vollendet wurden.

Rechtes Ufer

Das Leben spielte sich aber auch auf der anderen Seite des Flusses ab, wo sich heute der größte Teil von Novi Sad befindet. Archäologen haben ermittelt, dass am rechten Ufer des heutigen Novi Sad schon im 2. und 3. Jahrhundert v. Chr. Siedlungen bestanden. Das Dokument, das als Nachweis der ersten Siedlung in Novi Sad erachtet wird, ist eine Urkunde des ungarischen Königs Bella IV. aus dem Jahre 1237. In ihr wird angeführt, dass Bella der Zisterzienserabtei auf der Peterwardeiner Seite Grund und Boden, Dörfer und Güter auf „dieser“ Seite des Ufers stiftet. Einige dieser Güter, die etwas abseits lagen und über eine komplette Infrastruktur verfügten, stellen das „Modell“ dar, nach dem später die Salaschen errichtet wurden, die auch heute noch auf dem Gebiet außerhalb der Stadt bestehen und einen Teil des reichen touristischen Angebots ausmachen.
Die Geschichte zeugt davon, dass die Entwicklung von Novi Sad nach dem Abzug der Türken Ende des 17. Jahrhunderts begann. Als mit dem Bau der Festung im Jahre 1692 begonnen wurde, bestand das damalige Novi Sad nur aus Hütten, in denen Handwerker lebten, die größtenteils mit den Bauherren am anderen Donauufer während der Errichtung der Festung arbeiteten. Damals immer noch in Form einer improvisierten Siedlung, trug die Ortschaft die Namen Racka varoš, Serbische Stadt und Peterwardeiner Schanze. Sie wurde vorwiegend von Serben, Ungarn und Deutschen bewohnt, wobei aber auch Juden, Griechen, Armenier, Bulgaren …vertreten waren.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird das damalige Novi Sad zu einem Bestandteil der Habsburger Monarchie und der Militärgrenze des großen Kaiserreichs, deren Sitz sich in Wien befand. Es wird auch zum Sitz der serbisch-orthodoxen Pfarrgemeinden in diesem als Batschka bekannten Gebiet – mit dem Wladika an der Spitze.
Nachdem die Türken erfolglos versucht hatten, „ihre“ alten Gebiete zurückzuerobern, wonach die Österreicher ihre Macht in diesem Gebiet stärkten, entwickelt sich das heutige Novi Sad und das damalige Racka varoš zu einer Kaufmannssiedlung, in der der Handel zu blühen beginnt. Die Donau bildete die Grenze zwischen dem fruchtbaren Flachland und den reichen Weingütern um und hinter Peterwardein.
Rund 30 Kilometer vom heutigen Stadtzentrum entfernt lag in westlicher Richtung das Dorf Almaš. Im Jahre 1718 siedelte das gesamte Dorf in nach Racka varoš um, wodurch die Einwohnerzahl von Novi Sad bedeutend anstieg. Es ist historisch begründet, dass in der „Stadt“ damals über 110 serbische Familien, an die 15 deutsche und 5 ungarische lebten. Mit der Zeit wurden aus den Handwerkern und Händlern ernsthafte Geschäftsleute, so dass sie sich im Jahre 1748 von Kaiserin Maria Theresia den Freibrief für ihre Stadt erkauften. Sie haben über 82.000 Forint gesammelt, nach Wien gebracht und den Status einer königlichen Freistadt erhalten. Die Kaiserin veröffentlicht zu diesem Anlass einen Edikt, in dem unter anderem steht, dass der damalige Name Peterwardeiner Schanze in Novi Sad umgeändert wird.
Die Stadt hatte damals über 4.500 Einwohner und begann sich weiter zu entwickeln. Der Buchhandel, religiöse Objekte, die ersten Schulen waren nur einige der Eigenschaften ernsthafter europäischer Städte, über die auch Novi Sad verfügte. Die Stadt wurde vom städtischen Magistrat mit einem Richter und 12 Senatoren an der Spitze verwaltet. Der Stadtrat bestand zur Hälfte aus Serben, während der Richter und der Polizeihauptmann abwechselnd aus Vertretern der serbischen und anderen nationalen Gemeinschaften gewählt wurde.
Auch während des 18. Jahrhunderts entwickelt sich Novi Sad in jeglicher Hinsicht weiter. Es wird zum Mittelpunkt des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben des serbischen Volkes und erhält so auch den Beinamen Serbisches Athen.
Die Stadt wurde im Jahre 1848 bombardiert. Es ist das Jahr des Erwachens des nationalen Bewusstseins zahlreicher europäischer Völker. Innerhalb des österreichisch-ungarischen Kaiserreiches kommt es zum Konflikt mit den die Unabhängigkeit von Österreich befürwortenden Ungarn. Im Rahmen dieses Konfliktes wurde die Stadt von der Festung aus von den Ungarn bombardiert und fast dem Erdboden gleichgemacht.
Ein Jahr nach diesem Ereignis und der Unterdrückung des ungarischen Aufstands wird Novi Sad zum Bestandteil der Woiwodschaft Serbien und Temeser Banat, als einer gesonderten Habsburger Provinz. Nach der Auflösung dieses Gebietes wird die Stadt zum Bestandteil des Komitats Batsch-Bodrog im Rahmen des habsburgischen Ungarns. Ungeachtet der stürmischen geschichtlichen Ereignisse entwickelt und gründet Novi Sad mit seiner gesellschaftlichen und politischen Elite Institutionen, die auch heute noch von großer nationaler Bedeutung für Serbien sind. Im Jahre 1861 wurde das Serbische Nationaltheater gegründet und drei Jahre später wurde die Matica Srpska aus Budapest nach Novi Sad verlegt. Bis zum Ende des Jahrhunderts wurden die ersten Tagesblätter und politischen Parteien gegründet, Svetozar Miletić wurde zum ersten serbischen Bürgermeister von Novi Sad gewählt, das Rathaus und die Pfarrkirche Maria Namen, wie auch andere Gebäude, die auch heute noch das Stadtzentrum zieren, wurden errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich die Stadt auch weiterhin im Rahmen der österreichisch-ungarischen Monarchie, die nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1918 zerfiel. In diesem Jahr fand in Novi Sad am 25. November die Große Volksversammlung der Serben, Bunjewatzen und anderen Slawen im Banat statt, bei der die Annexion der Gebiete Banat, Batschka und Baranya an das Königreich Serbien proklamiert wurde.
Im Zeitraum zwischen den zwei Weltkriegen war Novi Sad das Zentrum der damaligen Donaubanschaft, eines der 9 Verwaltungsbezirke des damaligen Staates unter dem Namen Königreich Jugoslawien. Nach der Savabanschaft befand sich die Donaubanschaft an zweiter Stelle hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft, Entwicklungsperspektive und staatlichen Stellung. Damals erhielt auch das neualterliche Novi Sad sein endgültiges Aussehen. Die Stadt erhält zahlreiche monumentale Gebäude, wie den Sitz der heutigen Regierung der Vojvodina, den Tanurdžić Palast, das Gebäude der Galerie der Matica srpska am Galerienplatz, das Gebäude des Sportvereins beim Donaupark, das Lehrerinternat und das Internat für die Kaufmannsjugend und viele andere Gebäude, die die Stadt zu einer der schönsten Städte in diesem Teil Europas machen.
Den Zweiten Weltkrieg hat Novi Sad heroisch überstanden, obwohl die Faschisten leider dennoch eine unverwischbare Spur der Angst und Trauer hinterlassen haben. Das Denkmal der Opfer der Razzia am Donaukay erinnert an die Razzia, als ungarische Faschisten im Januar 1942 Juden, Serben und Roma in die eisige Donau warfen. Es wurden 1246 Einwohner von Novi Sad ungeachtet des Geschlechtes und Alters getötet.
Im Laufe des Jahres 1944 wurden zahlreiche Juden aus Novi Sad in Lager inhaftiert. In diesem Jahr wurde die Stadt erneut bombardiert, aber seitens der Alliierten. Das Ziel war die Vernichtung dessen, was die Faschisten für ihre Aktionen genutzt hatten: die Eisenbahnbrücke, Munitionslager, Militärfahrzeuge …
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Novi Sad zum Bestandteil eines neuen Staates, des Sozialistischen Jugoslawiens, und einer der attraktivsten Wohnorte in der Region. Die Stadt entwickelt sich wirtschaftlich und in jeder Hinsicht, soweit das unter den politischen Umständen der damaligen Zeit möglich war, und verbucht bis zum Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in allen gesellschaftlichen Bereichen einen Aufschwung.
Danach folgt der blutige Bürgerkrieg mit schrecklichen Folgen für die Einwohner und die Stadt. Die Kriegsereignisse fanden nur rund 50 Kilometer von Novi Sad statt und zwar bis 1999. In diesem Jahr wurde unser gesamter damaliger Staat vom Nato-Pakt bombardiert und in Novi Sad wurden alle Brücken, die große Erdölraffinerie, das Gebäude des Rundfunksenders Vojvodina und andere bedeutende Standorte zerstört, ohne die die Stadt schlecht funktionieren konnte.
Nach dem Jahre 2000 und der Instandsetzung eines neuen politischen Regimes beginnt für Novi Sad eine neue Ära, über die kommende Generationen in zeitlicher Distanz berichten werden. Zu erzählen, wie es sich heute und die letzten paar Jahre hier lebt überlassen wir ihnen, und wie es einmal war, haben Sie von uns erfahren.